Therapieformen

Therapieformen

Hier sind einige Therapieoptionen aufgezeigt und kurz erklärt
 

Chemotherapie:

Medikamentöse, im gesamten Körper wirkende Therapie mit Substanzen, die durch eine Schädigung der genetischen Information der Zelle krebshemmend wirken. Da jede Körperzelle diese genetischen Informationen besitzt, ist die konventionelle Chemotherapie nur relativ wenig tumorspezifisch und wirkt auch mehr oder weniger in allen anderen Körperzellen. (Chemotherapeutika = Zytostatika = Zellgifte).

Lokoregionäre (= regionale) Chemotherapie

Während die Chemotherapie normalerweise als Infusion in eine Armvene gegeben oder als Tablette eingenommen wird und im gesamten Körper wirkt, wird bei der lokoregionären (= regionalen) Behandlung die Chemotherapie über einen Gefäßkatheter direkt an den Tumor (bzw. an eine einzelne Metastase) gebracht.

Zielgerichtete (= Molekulare oder tumorbiologische oder ´targeted´) Therapie:

Die zielgerichtete Therapie ist eine neuartige Therapieform. Es stehen zunehmend mehr Medikamente für die Behandlung zur Verfügung. Die Therapie richtet sich gegen definierte Strukturen und Mechanismen, die für das Wachstum des Tumors von Bedeutung sind. Dazu gehören Bindungsstellen (Rezeptoren) für Wachstumsfaktoren auf der Oberfläche von Zellen und Botenstoffe (Moleküle), die in der Zelle Signale übertragen. Die zielgerichtete Therapie wirkt nur in den Zellen, in denen diese Strukturen und Mechanismen auch vorhanden sind. Im günstigsten Fall sind die Zielstrukturen nur in der  Tumorzelle vorhanden.

Es gibt verschiedene Arten von zielgerichteter Therapie

Antikörpertherapie:
Antikörper richten sich entweder gezielt gegen Bindungsstellen (Rezeptoren) für Wachstumsfaktoren auf der Oberfläche von Tumorzelle:
Beispiele:
Rituximab (Mabthera®): Antikörper gegen das Oberflächenmolekül CD 20 auf Lymphomzellen und bestimmten Lymphozyten
Trastuzumab (Herceptin®): Antikörper gegen HER2/neu - Humaner Epidermaler Wachstumsfaktor Rezeptor
Cetuximab (Erbitux®) oder Panitumumab (Vectibix®): Antikörper gegen EGF-R - Epidermal Growth Factor Rezeptor

Oder die Antikörper richten sich direkt gegen die Wachstumsfaktoren

Beispiele:
Bevacizumab (Avastin®): Antikörper gegen den Gefäßwachstums-stimulierenden FaktorVEGF- vaskulärer endothial growth factor

Kleine Moleküle  (´small molecules´)
Zur Gruppe der kleine Moleküle gehören inzwischen eine Vielzahl von verschiedenen Medikamenten, die, z.T. auch als Tablette eingenommen werden können. Sie greifen in Wachstumsvorgänge ein, indem sie Signalwege in der Zelle blockieren

Beispiele (keine vollständige Liste):
Tyrosinkinase-Inhibitor Imatinib (Glivec®): eingesetzt bei der Chronisch myeloischen Leukämie (CML) und Gastrointestinalen Stromatumoren (GIST).
EGF Rezeptor Tyrosinkinase-Inhibitor Erlortinib (Tarceva®): eingesetzt beim Nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom und Pankreaskarzinom:
EGF Rezeptor Tyrosinkinase-Inhibitor Lapatinib (Tyverb®): eingesetzt beim Brustkrebs
VEGF/PDGF Rezeptor Tyrosinkinase-Inhibitoren Sorafenib (Nexavar®) und Sunitinib (Sutent®): eingesetzt beim Nierenzellkarzinom
mTOR Kinase Inhibitor Temsirolimus (Torisel®): eingesetzt beim Nierenzellkarzinom
Proteasom-Inhibitor Bortezomib (Velcade®): eingesetzt beim Multiplen Myelom:
IMiDs (immunmodulatory Drug) Lenalidomid (Revlimid®): eingesetzt beim Multiples Myelom:

Endokrine Therapie:

Bei einige Tumoren können körpereigene Hormone das Tumorwachstum stimulieren (z.B. bei Prostata- oder manchen Brusttumoren). Eine Therapie, die sich gegen diesen wachstumsfördernden Einfluss der körpereigenen Hormone richtet, nennt man endokrine Therapie. Sie kann das weitere Wachstum des Krebses ebenfalls unterbinden.

Immuntherapie:

Die Ära der Immuntherapie
Die Kontrolle von Krebszellen durch das Immunsystem wird bereits seit Jahrzehnten von Ärzten erforscht. Bis vor wenigen Jahren konnte jedoch nur in seltenen Ausnahmefällen die Stärkung des körpereigenen Immunsystems eine manifeste Krebserkrankung zurückdrängen oder gar heilen. Dies hat sich grundlegend geändert! Viele Krebszellen schalten das Immunsystem aktiv ab. Dieser Mechanismus wurde teilweise entschlüsselt. Neue Medikamente schalten das Immunsystem wieder scharf, sodass Krebszellen wieder erkannt und abgetötet werden können. Besonders erfolgreich wird diese Therapie bei schwarzem Hautkrebs und bei einigen Formen von Lungenkrebs eingesetzt. Auch bei anderen Krebserkrankungen wird diese Behandlung nun als Ersttherapie oder im Falle eines Rückfalles benutzt. Die Immuntherapie hat nicht die Nebenwirkungen einer Chemotherapie, dennoch: Auch Immuntherapien können Nebenwirkungen haben. Diese entstehen – wenn sie auftreten – durch eine Überreaktion des Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe, wie dies auch bei sogenannten Autoimmunerkrankungen auftritt. Diese Nebenwirkungen können sich u.a. an Darm (z.B. Durchfälle), Leber, Lunge (nicht infektiöse Lungenentzündung) , Schilddrüse, Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und Nebennieren (Störungen des Hormonhaushaltes) zeigen. Rechtzeitig erkannt, können die Nebenwirkungen durch Pausieren des Medikamentes und eine Behandlung mit Kortison gut behandelt werden.

Interferon Therapie

Körpereigenes Gewebshormon mit antitumoraler Wirkung, eingesetzt bei manchen Bluterkrankungen, Lymphomen, Nierenzellkarzinomen, Malignem Melanomen

Strahlentherapie:

Behandlung und Zerstörung bösartiger Tumoren durch hochenergetische Strahlung, auch in Kombination mit Chemotherapie als kombinierte Radiochemotherapie